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Gesundheit
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Allgemeine Themen
Allgemein Sozioökonomische Folgen von KopfschmerzenMedikamentenkosten, Arbeitsausfall, MehrfacherkrankungenMünchen [ DMKG ] 19.07.2011 Kopfschmerzen
verursachen enorme Kosten. Dabei müssen sowohl die direkten Kosten (für
Behandlung und Vorbeugung von Kopfschmerzen) als auch die indirekten Kosten
(durch Arbeits- und Produktivitätsausfall) berücksichtigt werden. Weiterhin
entstehen tertiäre Kosten, also Folgekosten einer falschen Kopfschmerztherapie
oder einer Invalidität. Die Angaben im folgenden beziehen sich jeweils auf
Kosten etc., die innerhalb eines Jahres entstehen. Wohl kaum ein
anderes Volksleiden als Kopfschmerzen weist eine solche Diskrepanz zwischen
niedrigen direkten, hohen indirekten und tertiären Kosten auf. Für Deutschland
liegen keine exakten Berechnungen über die volkswirtschaftlichen Kosten durch
Kopfschmerzen und Migräne vor. Es gibt jedoch eine Modellrechnung aus dem Jahr
2004 (Institut für Gesundheitsökonomie der LMU München), bei der die direkten
und indirekten Kosten durch Migräne ermittelt worden sind. Eine Übersicht über
diese Zahlen gibt die Tabelle am Ende. Am einfachsten zu ermitteln sind die
Kosten der ärztlich zu Lasten der Krankenkassen verschriebenen
Migränemedikamente. Sie werden auf circa 70 Millionen Euro geschätzt. Sehr viel
ungenauer sind die Kosten zu ermitteln, die durch die Selbstmedikation der
Betroffenen entstehen. Hier wird – in Abhängigkeit von einer Prävalenzrate der
Migräne zwischen vier und 16 Prozent – geschätzt, dass zwischen 100 und 500
Millionen Euro an Kosten entstehen. Berücksichtigt man, dass die frei
verkäuflichen Schmerzmittel in der Einzeldosis wesentlich billiger sind als die
rezeptpflichtigen, so kann man schließen, dass über zehnmal so viel
Medikamentendosen von den Betroffenen selbst gekauft als rezeptiert werden. Im stationären
Bereich verursacht die ärztliche Behandlung der Migräne Kosten in Höhe von
circa 30 Millionen Euro. Diese Zahl beinhaltet die Krankenhausaufenthalte, die
primär wegen Migräne entstehen; diese Kosten lassen sich aufgrund der
ICD-Statistiken der Krankenhäuser relativ gut erfassen. Die Kosten der
migränespezifischen ambulanten ärztlichen Behandlung ist sehr viel schwieriger
zu ermitteln. Hier wird geschätzt, dass – wieder in Abhängigkeit einer
Prävalenz der Migräne zwischen vier und 16 Prozent – zwischen 40 und 150
Millionen Euro als ambulante Kosten durch Migräne verursacht werden. Die indirekten
Kosten durch Migräne können ebenfalls nur grob geschätzt werden. Durch Fehltage
am Arbeitsplatz – bezogen auf alle sozialversicherungspflichtigen Tätigkeiten –
entstehen zwischen einer und vier Milliarden Euro an Kosten. Nicht ganz so hoch,
aber immer noch ein Vielfaches der Therapiekosten, sind die Kosten durch die
aufgrund von Migräne eingeschränkte Produktivität am Arbeitsplatz. Hier wird
die Summe grob auf ein bis drei Milliarden Euro geschätzt. Für die tertiären
Kosten - durch Invalidität, falsche Behandlung etc. - ist eine Modellrechnung
noch viel schwieriger. Hier kann beispielhaft nur angefügt werden, dass die
Dialysekosten, die durch Patienten verursacht werden, die vorher einen
Schmerzmittelabusus betrieben haben, auf 300 Millionen Euro geschätzt werden. Die bisherigen
Ausführungen bezogen sich auf die Migräne. Es wird geschätzt, dass durch
sämtliche andere Kopfschmerzarten zusammen und insbesondere durch den
Kopfschmerz vom Spannungstyp, der zwar leichter als Migräne ist, aber auch eine
höhere Prävalenz aufweist, noch einmal eine ähnlich hohe Summe an Kosten
verursacht werden. Für die
Arbeitsplätze in Deutschland bedeutet dies, dass – ausgehend von einer
durchschnittlichen Migräneprävalenz in Deutschland von 11,3 Prozent bis circa vier
Millionen Erwerbstätige an einer Migräne gelitten haben. Bei einer
durchschnittlichen Zahl von 2,8 Migränetagen pro Monat ergibt sich eine
Gesamtzahl von etwa 130 Millionen Tagen mit Migräne pro Jahr in der
erwerbstätigen Bevölkerung. Von diesen Tagen entfallen etwa 73 Millionen auf
Arbeitstage, davon werden etwa 50 Prozent versäumt und rund 50 Prozent in
verminderter Produktivität verbracht. Allein die Fehltage durch Migräne pro
Jahr sind der Jahresarbeitszeit von 185.000 Vollerwerbstätigen äquivalent. Für
den Spannungskopfschmerz und die anderen Kopfschmerzarten muss zusammen von
einer deutlich höheren Prävalenz ausgegangen werden. Diese wird aber durch die
geringere individuelle Kopfschmerzhäufigkeit und -intensität wieder
ausgeglichen, sodass die volkswirtschaftliche Nettobelastung – auch an
verlorener Arbeitszeit – durch alle anderen Kopfschmerzarten noch einmal
ähnlich so hoch sein dürfte wie durch die Migräne. Tabelle: Kosten
durch Migräne (Schätzung in Anlehnung an Erhebungen des Instituts für Gesundheitsökonomik,
München 2004)
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