Gesättigte Fette, Herz und Gefäße: unrichtige Empfehlungen
Ein Einwurf von Ulrike Gonder
Hünstetten
[ Ulrike Gonder ]
11.02.2012
An der Universität von Nijmegen in den Niederlanden gibt es
einen jungen Wissenschaftler, Robert Hoenselaar, der in wunderbar klaren Worten
und betont sachlich formuliert drei großen Ernährungsorganisationen ihre
Ernährungsempfehlungen zur Vorbeugung von Herz- und Gefäßerkrankungen um die
Ohren haut.
Die üblichen Empfehlungen, z.B. des amerikanischen USDA, des
Institute of Medicine (IOM) oder der Europäischen EFSA lauten: weniger oder
möglichst wenig gesättigte Fettsäuren zu essen. Das soll Herz und GEfäße
schützen.
Hoenselaar nahm die Kritik an diesen Empfehlungen zum Anlass
und verglich die in den Dokumenten der USDA, des IOM und der EFSA verwendeten
Literaturhinweise, prüfte die Argumente auf Vollständigkeit und suchte in der
Fachliteratur nach weiteren relevanten Studien. Sein Ergebnis:
Jede Organisation zitiert andere Studien.
Die Ergebnisse prospektiver Studien wurden häufig
verfälschend dargestellt.
Die Mehrzahl (!) der verfügbaren Studien wurde nicht
berücksichtigt.
Alle führten den LDL-Cholesterin erhöhenden Effekt
gesättigter Fettsäuren als Argument für ein Herz- und Gefäßrisiko an.
Den HDL-Cholesterin erhöhenden Effekt gesättigter Fettsäuren
erwähnt einzig die EFSA. In der Bewertung der Evidenz wird er jedoch von allen
Organisationen ignoriert.
Hoenselaars Fazit:
Die Empfehlungen führender Gremien zum Konsum gesättigter
Fettsäuren in Bezug auf das Herz- und Gefäßrisiko bilden nicht den verfügbaren
Wissensstand ab.
Mein Senf dazu
Das ist eine schallende Ohrfeige für jene „renommierten“
Organisationen, die – meist mit öffentlichen Mitteln finanziert -
Ernährungs-Richtlinien herausgeben. In Deutschland ist dafür die DGE zuständig.
Wie sie mit dem Thema Fett und Herzgesundheit umgeht, ist ebenso erschütternd
und in meinem Buch „Mehr Fett!“ nachzulesen.
Quelle:
Hoenselaar,
R: Saturated fat and cardiovascular disease: the discrepancy between the
scientific literature and dietary advice. Nutrition 2012;28:118-123
Dieser Kommentar ist zuerst auf Ulrike Gonders Webseite www.ugonder.de erschienen. Wir danken für die Erlaubnis zur Wiedergabe.
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