|
||||
|
||||
|
|
|
|
Technik
|
Fachartikel Qualität & AnalytikWerbung
-Qualität & Analytik- Gefälschte Bio-Lebensmittel: Forschungsprojekt sieht Verbesserungsbedarf bei KontrollenUniversität Hohenheim untersuchte Öko-Kontrollsystem der EU; Prof. Dr. Stephan Dabbert: „Es gibt Verbesserungsbedarf“Stuttgart [ Uni Hohenheim ] 21.12.2011 700 Millionen
Kilogramm Lebensmittel sollen von einer Fälscherbande in Italien falsch
deklariert worden sein. Die italienische Polizei hat den Fälscherring heute
auffliegen lassen. Unter den Verdächtigen sind auch Chefs von
Lebensmittelfirmen und Kontrollstellen. Damit bestätigen sich Ergebnisse eines
Forschungsprojekts der Universität Hohenheim. Darin analysiert Prof. Dr.
Stephan Dabbert derzeit die europäischen Kontrollen – und entwickelt einen
6-Punkte-Plan für notwendige Verbesserungen. „Wenn tatsächlich
Kontrollstellen an den Fälschungen beteiligt sind, dann bestätigen sich unsere
Ergebnisse: Die Überwachung dieser Stellen gehört zu den wichtigsten
Bestandteilen des Systems und muss dringend verbessert werden“, sagt Prof. Dr.
Dabbert. Er hat das Forschungsprojekt CERTCOST in Hohenheim geleitet und
formuliert derzeit die Ergebnisse aus. Drei Jahre lang
haben Wissenschaftler und Zertifizierungsexperten aus sieben europäischen
Ländern das Öko-Kontrollsystem untersucht, mit dem Ziel das System zu
verbessern. Jetzt sind die Resultate da: Ein Katalog von sechs grundsätzlichen
Empfehlungen soll das jetzige Kontrollsystem verbessern, die Information für
die Öko-Anbieter selbst erleichtern und einheitliche, transparente
Kennzeichnung für die Verbraucher schaffen. Kontrollen müssen einheitlich werdenWichtigster Punkt:
einheitliche Überwachung der Kontrollstellen. Denn bisher gelten keine
europäischen Standards, was Verstöße und Unregelmäßigkeiten angeht. Ebenso
wenig gibt es einen einheitlichen Katalog von Sanktionen oder Definitionen, ab
wann ein Verstoß vorliegt. „Zuallererst muss
die Überwachung harmonisiert werden. Heute gilt etwas in Deutschland als
Verstoß, was in Italien möglicherweise nicht so gewertet wird – und umgekehrt.
Diese Unterschiede müssen beseitigt werden“, fordert Prof. Dr. Dabbert. „Es
gibt auch noch keinen Bericht, mit dem die Überwachungen der einzelnen Länder
tatsächlich verglichen werden könnten“, so Prof. Dr. Dabbert weiter. Kontrollen müssen sich am Risiko orientierenEin weiteres Manko:
bislang wird nicht überall bei den Kontrollen der potentielle Schaden für den
Verbraucher stark genug in den Vordergrund gerückt: „Die Kontrollen in
Risiko-Betrieben sollten erhöht werden“, so der Professor für Agrarökonomie.
Unternehmen, die bereits negativ aufgefallen sind und solche mit hohem
Markteinfluss sollten häufiger kontrolliert werden. Dies wird von einigen
Kontrollstellen bereits praktiziert – aber eben nicht europaweit. Durch solch
ein risikobasiertes Kontrollsystem ließen sich Ressourcen dort bündeln, wo sie
am dringendsten benötigt werden, ohne die Kosten des Systems zu erhöhen. Organisation der Kontrollen muss verbessert werdenDerzeit existiert in
den europäischen Staaten eine Mischung aus privaten und staatlichen Kontrollen,
in jedem Staat ist die Aufteilung unterschiedlich. Das soll auch so beibehalten
werden, allerdings fordern die Forscher eine bessere Organisation: „Die
Mitgliedsstaaten sollten überprüfen, ob man Aufgabenverteilung und
Zusammenarbeit der Institutionen nicht verbessern kann.“ Dies betrifft auch
Deutschland, wo der Föderalismus einen komplizierten Flickenteppich von
Zuständigkeiten für die Öko-Kontrolle produziert hat. Fraglich sei auch,
ob den zuständigen Einheiten der EU tatsächlich genug Ressourcen für ihre
Aufgaben zur Überwachung der Kontrollen zur Verfügung stehen. Wichtig sei auch,
den Informationsaustausch zwischen den einzelnen Behörden und Ländern zu
verbessern. „Das könnte etwa durch eine Plattform für den Wissensaustausch
unter den Behörden geschehen.“ EU benötigt europaweites WissenssystemAls Weiterführung
fordern die Wissenschaftler ein effizientes Wissenssystem: „Die Gemeinschaft
braucht ein europäisches Forum, in dem sie sich regelmäßig darüber austauschen
kann, wie genau im Detail die Öko- Kontrollverordnungen umgesetzt wurden. Das
sollte von der EU zumindest kofinanziert werden.“ Ebenfalls im
vorgeschlagenen Maßnahmenkatalog der Forscher: „Auch Schulungen für Inspekteure
sollten verbessert und vor allem stärker vereinheitlicht werden“, so Prof. Dr.
Dabbert. Öko-Unternehmer brauchen mehr TransparenzGute Produktqualität
setze bei qualifizierten Erzeugern an. So benötigten Öko-Unternehmer generell
bessere Information und Transparenz über die Anforderungen des Kontrollsystems.
Dies betrifft insbesondere die neuen Mitgliedstaaten. „Dazu gehören
verbesserte Schulungen in der Sprache der Mitgliedstaaten – zum Beispiel als
Web-Tutorials. Aber auch, dass Kontrollstellen ihre Preislisten online
zugänglich machen, um die Kosten für eine Zertifizierung leichter ermitteln zu
können.“ Die EU sollte ihr Internet- Angebot zum Thema Öko-Zertifizierung
deshalb weiterentwickeln. Kennzeichnung muss verbessert werdenUm Vertrauen unter
den Verbrauchern zu schaffen sei es wichtig, die bestehenden Logos sinnvoll
einzusetzen. In ihrem Projekt führten die Forscher Feldstudien mit Ökosiegeln
und Logos durch. Das Resultat: Das deutsche Biosiegel beispielsweise schneidet
sehr gut ab, auch vergleichbare Logos aus Tschechien und Dänemark finden
Anklang bei Konsumenten. „Das neue EU-Logo
dagegen ist kaum bekannt,“, meint der Forscher der Universität Hohenheim. „Die
erfolgreichen nationalen Logos sollten deshalb solange weiter verwendet werden,
bis es gelungen ist für das neue EU-Logo ein vergleichbares Vertrauen
herzustellen.“ Hintergrund: Ökonomische Analyse von Zertifikationssystemen für Öko- LebensmittelnCERTCOST ist ein
Projekt an dem 10 Institutionen (darunter Universitäten,
Forschungseinrichtungen und Kontrollstellen) aus den Ländern Deutschland,
Tschechische Republik, Dänemark, Vereinigtes Königreich, Schweiz, Italien und
der Türkei beteiligt sind. Das Projekt wird von der Europäischen Kommission mit
2,7 Mil. Euro gefördert. Ziel ist es, das europäische Öko- Kontrollsystem unter
ökonomischen Blickwinkel zu analysieren und Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten.
Seite empfehlen / merken:
meat-n-more.info twittert:Die 6 neuesten Tweets
|
|
Willkommen!
NewsletterNutzen Sie unseren Newsletter! Wir Twitternund sind bei Facebookwww.facebook.com/meatnmore.info
|
|
Google-Werbung