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Fachartikel Hygiene & MikrobiologieWerbung
-Hygiene & Mikrobiologie- Rolle von Textilien für HygieneHohenstein Forscher veröffentlichen Studie über ein vielseitiges Keim-Übertragungsmodell - Die Methode erlaubt auch eine Einschätzung von Infektionsrisiken durch Textilien im GesundheitssystemBönnigheim [ Hohenstein Institute ] 18.04.2012 Infektionskrankheiten sind weltweit verbreitet und haben
erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen. Auch deutsche Versicherer sehen in
kommenden Pandemien das größte Risiko für unsere Gesellschaft (Ärzte Zeitung,
Januar 2012). Die mit Abstand häufigsten Infektionserkrankungen sind
Magen-Darm-Infektionen: Ob die alljährlich wiederkehrende Norovirus-Welle oder
die EHEC-Epidemie im Jahre 2011, fast jeder Mensch erkrankt im Laufe seines
Lebens ein- oder mehrmals an einem Magen-Darm-Infekt. In einer aktuellen Studie der Forschungsabteilung Hygiene,
Umwelt und Medizin der Hohenstein Institute verfolgten Wissenschaftler
Ansteckungswege in einer öffentlichen Toilette. In diesem Szenario untersuchten
sie die mögliche Übertragung von Bakterien, Pilzen und Viren von einer
Keimquelle über die Hände von Testpersonen auf verschiedene Objekte im Raum (z.
B. Toilettenbürste, Türklinke, Wasserhahn), welche durch die Berührung selbst
verunreinigt werden und in der Folge eine eigene Infektionsquelle darstellen.
Mit dem neuen Keim-Übertragungsmodell wurde z. B. untersucht, wie viele
Mikroorganismen über die Hand einer Person von der Toilettenbürste auf die
Türklinke übertragen werden und welche Keimmengen die nächste Person, welche
die Tür öffnet, mit ihrer Hand weiter verbreitet. Die praxisnahe Studie der Forscher um Prof. Dr. Dirk Höfer
korreliert erstmals Keimübertragungswege zu derzeit bekannten infektiösen Dosen
von Bakterien, Pilzen und Viren. Zwar reduzierte sich erwartungsgemäß die
Anzahl lebensfähiger Erreger bei jedem Übertragungsschritt in der Toilette von
Händen auf Objekte, doch einige Krankheitserreger wurden durch Kontakt mit
kontaminierten Oberflächen noch in ansteckenden Dosen auf andere Testpersonen
übertragen. Die Ergebnisse der Studie lassen den Schluss zu, dass ein
Ansteckungsrisiko vor allem abhängig von der infektiösen Dosis des jeweiligen
Krankheitserregers ist. Bei Durchfall erregenden Viren oder Bakterien, z. B.
Norovirus oder EHEC, sind nur wenige Partikel oder Zellen für eine Infektion
ausreichend. Dies bedeutet, dass in öffentlichen Toiletten für andere Personen
ein hohes Risiko besteht, mit einer ansteckenden Dosis dieser Keime in
Berührung zu kommen. Auf der anderen Seite besteht durch die Nutzung derselben
Toilette nur eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit der Ansteckung mit Erregern,
die eine hohe Infektionsdosis verlangen, wie z. B. Genitalpilze. Die Ergebnisse der Wissenschaftler des Fachbereichs Hygiene,
Umwelt und Medizin erscheinen in Kürze im Fachmagazin Journal of Applied
Microbiology. doi: 10.1111/j.1365-2672.2012.05234.x. [Epub ahead of print] Das neue Keim-Übertragungsmodell wollen die Forscher nun
auch zur Beurteilung anderer Infektketten einsetzen, es ist z. B. ohne weiteres
übertragbar auf andere öffentlich zugängliche Umgebungen, wie Restaurants oder
Hotels (siehe Abbildung). Gleichzeitig erlaubt die Methode die Untersuchung
antimikrobieller Oberflächen, die heutzutage auch zur Infektionsprävention
eingesetzt werden. „Wir müssen das Spektrum unserer Prüfmethoden erweitern, weg
von den Standard-Laborverfahren nach Norm, hin zu praxisnahen Modellen, die uns
eine realistische Abbildung von Infektionsketten und Einschätzung der Risiken
ermöglichen.“ sagt die Projektleiterin Dr. Anja Gerhardts vom Institut für
Hygiene und Biotechnologie an den Hohenstein Instituten. Wie wichtig solche praktischen Prüfmodelle sind, zeigt eine aktuelle Studie, die in einem Krankenhaus in Jerusalem durchgeführt wurde. Dabei wurde die Keimbelastung der Dienstkleidung von 135 Ärzten und Pflegekräften untersucht. Bei etwa 60 % der Proben wurden potentielle Krankheitserreger gefunden, darunter auch Antibiotika-resistente Keime (MRSA). „Dies zeigt uns die hohe Relevanz von Textilien als potentielle Infektionsquelle im Krankenhaus. Wie der Status der Textilhygiene bei uns in Deutschland aussieht, wissen wir nicht, hier liegen bislang keine vergleichbaren Untersuchungen vor.“, sagt Prof. Höfer. „Wir planen, das erfolgreich eingesetzte Übertragungsmodell für Mikroorganismen in der Zukunft weiterzuentwickeln und unsere Untersuchungen auch auf Textilien auszuweiten, die im Gesundheitssystem eingesetzt werden. Davon erhoffen wir uns nützliche Informationen für sinnvolle Maßnahmen zur Durchbrechung von Infektionsketten.“
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