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UDE: Forscher bestätigen neue Genvariante für Adipositas
Duisburg / Essen [UDE] 08-01-2008
Weihnachtszeit war Schlemmerzeit. Daher hadern manche
Menschen jetzt mit ihrem Wunschgewicht. Aber die Ursache für die überflüssigen
Pfunde kann auch in den Genen liegen. Fast fünfzig Prozent der Bevölkerung
besitzen eine genetische Variante, die das Risiko für Übergewicht und
Fettleibigkeit im Kindes- und Erwachsenenalter erhöht. Das hat das Forscherteam
um Dr. Anke Hinney und Professor Dr. Johannes Hebebrand, Direktor der Klinik
für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Universität
Duisburg-Essen jetzt herausgefunden.
Sie analysierten bei 487 adipösen Kindern und 442
normalgewichtigen Kontrollen erstmalig insgesamt knapp 500.000 Genvarianten im
menschlichen Erbgut und fanden dabei einen neuen "Dickmacher" namens
"rs1121980". Gezielt hatten die Wissenschaftler nach Veränderungen
gesucht, die bei Personen mit Übergewicht vermehrt auftreten und entdeckten
dabei eine Erbgut-Veränderung im so genannten FTO-Gen, das maßgebliche für die
Entwicklung von Übergewicht verantwortlich ist.
Zunächst wurde von mehreren internationalen Forschergruppen
ein Zusammenhang dieses Gens mit der so genanntem Altersdiabetes, dem Typ 2
Diabetes mellitus, beschrieben. Es stellte sich aber bald heraus, dass dieser
Zusammenhang nicht für Altersdiabetes, sondern für Übergewicht relevant ist. So
konnte an insgesamt 38.759 Personen gezeigt werden, dass die mögliche
Ausprägung der Genvariante "rs1121980" mit einem 31 Prozent erhöhten
Risiko verbunden ist übergewichtig zu werden.Die cirka 20 Prozent der Erwachsenen, die reinerbig für die
Gen-Ausprägung sind, wiegen fast drei Kilo mehr als Personen, die diese nicht
geerbt hatten.
Zu cirka 60 Prozent wird durch das Erbgut bestimmt, ob eine
Person Übergewicht oder gar eine Adipositas entwickelt. Einige Gene, die das
Gewicht regulieren, sind schon bekannt. "Die Rolle der Lebensumstände darf
dabei natürlich auch nicht unterschätzt werden. Die Genvariante rs1121980
allein macht nicht dick", stellt Prof. Hebebrand klar. "Erst durch
die Kombination mit weiteren Genvarianten beziehungsweise Umweltfaktoren, wie
geringer Bewegung und kalorienreicher Ernährung, kommt es zu einer starken
Gewichtszunahme."
Um weitere genetische Ursachen für Übergewicht und
Adipositas zu identifizieren sollen die Untersuchungen weitergeführt werden.
"An die Aufklärung der molekularen Mechanismen knüpfen wir die Hoffnung,
letztendlich neue Therapien für Menschen mit Übergewicht entwickeln zu
können", erklärt Hebebrand, der auch das Adipositas-Netz koordiniert, das
vom Bundesforschungsministerium im Rahmen des nationalen Genomforschungsnetzes
gefördert wird.
Die Ergebnisse der Untersuchung sind in der aktuellen
Ausgabe der Fachzeitschrift "PLos ONE" veröffentlicht, einem
Online-Journal der Public Library of Science zu wissenschaftlichen
medizinischen Themen.
 
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