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Stillen schützt vor gefährlichen Fettpolstern
Vor allem Jungen übergewichtiger Mütter profitieren
Dortmund [FKE] 12-03-2008
Stillen gilt allgemein als Schutz vor späterem Übergewicht.
Inwieweit es sich auch auf die Entwicklung des Körperfetts in der Kindheit
günstig auswirkt, ist noch unklar. Dabei ist es vor allem ein Übermaß an
Fettpolstern, das die Entwicklung späterer Erkrankungen begünstigt - mehr noch
als ein erhöhter Body-Mass-Index (BMI) allein.
Wissenschaftler des Forschungsinstituts für Kinderernährung
(FKE) in Dortmund haben daher untersucht, inwieweit Stillen die Bildung von
Körperfett bei Jungen und Mädchen beeinflusst. Die Studie des zur Universität
Bonn gehörenden Instituts ist online abrufbar unter www.nature.com/oby/journal/v16/n2/pdf/oby200757a.pdf.
In der so genannten DONALD-Langzeitstudie erfassen die
Dortmunder Forscher seit 1985 detailliert Daten zu Wachstum, Ernährung und
Stoffwechsel von Kindern und Jugendlichen. Die Teilnehmer werden als Säuglinge im
Alter von drei Monaten in die Studie aufgenommen. Bis zur Volljährigkeit
erheben die FKE-Forscher regelmäßig die Ernährungsgewohnheiten ihrer Probanden.
Dazu zählt anfangs auch eine detaillierte Befragung zum Stillverhalten der
Mütter. Während der gesamten Kindheit wird unter anderem auch der
Körperfettanteil der Kinder jährlich durch verschiedene Messungen genau
dokumentiert. Die aktuelle Analyse umfasst die Werte von 219 Jungen und 215
Mädchen.
Vor allem Jungen übergewichtiger Mütter profitieren
Dass Stillen vor späterem Übergewicht schützt, ist bereits
bekannt. Allerdings findet sich in den meisten Studien nur ein leicht
schützender Effekt, der jedoch zunimmt, wenn die Kinder nicht nur in den ersten
Wochen gestillt werden. Die aktuellen Ergebnisse der DONALD-Studie bestätigen
erstmals auch einen günstigen Einfluss des Vollstillens auf die Entwicklung des
Körperfetts in der Kindheit. Voll gestillte Kinder erhalten nur Muttermilch,
Wasser oder Tees, also keine Milchflasche oder Beikost.
Erstaunlicherweise fand sich dieser Effekt aber vornehmlich
bei Jungen übergewichtiger Mütter: Während bei den Jungen und Mädchen
normalgewichtiger Mütter die Körperfett-Menge im Laufe der ersten Lebensjahre
abnahm, stieg sie bei Jungen übergewichtiger Mütter ab dem dritten Lebensjahr
wieder an - aber nur, wenn sie nicht voll gestillt worden waren. Bei den
Mädchen in dieser Studie hingegen war die Entwicklung des Körperfett-Anteils im
Wesentlichen davon abhängig, ob ihre Mütter übergewichtig waren. Einen Effekt
des Stillens gab es nicht.
Vollstillen scheint Jungen also vor Fettleibigkeit zu
schützen, und zwar gerade dann, wenn die Mütter übergewichtig sind.
"Dieses Ergebnis ist auch deshalb interessant, weil es zeigt, dass die
positiven Auswirkungen des Stillens nicht auf Vorbild-Effekte zurückzuführen
sind", erklärt FKE-Forscherin Anette Buyken. "Stillen scheint bei
Jungen eine genetische oder stoffwechselbedingte Prägung in Richtung höheres
Körperfett auszugleichen, die aus dem Übergewicht der Mutter resultiert."
Von diesem Vorteil profitierten die Jungen übrigens bereits, wenn sie
mindestens zwei Wochen lang vollgestillt wurden.
"Gerade übergewichtige Mütter haben - häufig hormonell
bedingt - größere Schwierigkeiten, ihre Säuglinge zu stillen. Sie benötigen
daher in der kritischen Anfangszeit praktische Anleitung", empfiehlt Dr.
Mathilde Kersting vom Forschungsinstitut für Kinderernährung.
 
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