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Diabetes
Therapie bei Typ-2-Diabetes oft mangelhaft: Schlechte Blutzuckereinstellung trotz Insulin
Bochum [DDG] 10-01-2007
In Deutschland haben viele Menschen mit Typ-2-Diabetes trotz
einer Insulintherapie zu hohe Blutzuckerwerte. Grund dafür ist, dass sich
Patienten und Therapeuten häufig zu spät für eine Insulintherapie entscheiden
und dann nicht immer die passende Therapieform wählen. Darauf weist die
Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) anlässlich der Veröffentlichung einer
aktuellen bundesweiten Studie hin.
Wenn Diät und Tabletten den Blutzucker nicht mehr
ausreichend senken, spritzen viele Typ-2-Diabetiker zusätzlich Insulin. In
Deutschland erhält jeder Fünfte diese Kombinationstherapie. Im Prinzip ist dies
eine ideale Mischung: Die Tabletten stärken die körpereigenen Insuline, und was
fehlt, wird über die Spritzen ergänzt. Dr. Petra Ott, Dresden, und weitere
Wissenschaftler ermittelten in der "Diabetes in Germany (DIG)-Studie"
jedoch, dass Patienten mit der Kombinationstherapie die schlechtesten
Blutzuckerlangzeitwerte haben.
Die DIG-Studie ist eine repräsentative Stichprobe von 4020
Diabetikern. Sie untersucht, wie Diabetes-Patienten in Deutschland versorgt
werden und welche Therapieformen am günstigen für die Blutzuckerwerte sind. Die
Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass die generell gute Versorgung der Patienten
durch einen frühen Beginn der Insulintherapie verbessert werden könnte.
Dr. Petra Ott und ihre Kollegen führen die schlechten
Ergebnisse der Kombinationstherapie darauf zurück, dass Ärzte den Beginn
hinauszögern oder zu einer einmaligen Insulin-Injektion am Abend raten. Diese
"Bedtime-Therapie" erzielt zwar, wenn sie mit Langzeit-Insulinen
durchgeführt wird, eine über den gesamten Tag andauernde gleich bleibende
Wirkung. Das eigentliche Problem, die kurzen, aber hohen Blutzuckerspitzen nach
den Mahlzeiten, blieben jedoch bestehen, so Dr.
Ott. Eine Intensivierte Konservative Insulintherapie (ICT)
würde dies vermeiden. Sie setzt allerdings voraus, dass die Patienten vor jeder
Mahlzeit ihren Blutzucker messen und lernen den Bedarf abzuschätzen.
Vielen Typ-2-Diabetikern ist das zu kompliziert. Für sie
gibt es eine vereinfachte Form, die mahlzeitenbezogene Insulintherapie. Dabei
spritzen die Diabetiker nach festen Regeln vor den Mahlzeiten ein kurzwirkendes
Kunstinsulin. Doch auch diese abgeschwächte Variante zur ICT wird zu selten
eingesetzt.
Die Expertin sieht vor allem bei jüngeren Diabetikern
Handlungsbedarf. Bei ihnen waren die Werte trotz Kombinationstherapie am
schlechtesten. Dabei ist eine gute Blutzuckereinstellung bei jüngeren Patienten
besonders wichtig. Sie sind wegen der langen Lebenserwartung am stärksten von
den Spätfolgen des Diabetes betroffen.
Studie:
P. Ott, I. Benke, C. Köhler, M. Hanefeld: Praxis der
Insulintherapie bei Typ 2 Diabetikern im Rahmen der DIG (Diabetes in Germany)
Studie. Diabetologie 2006; 1: 366-373
 
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