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Diabetes
Diabetisches Koma - tödliche Gefahr trotz besserer Behandlung
Bochum [DDG] 03-05-2007
Ein Diabetisches Koma kann auftreten, wenn Diabetes Typ 1 zu
spät erkannt wird oder ein Typ-2-Diabetiker auf Dauer zu wenig Insulin spritzt.
Dieser lebensgefährliche Zustand tritt noch immer häufig auf. Darauf weist die
Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) anlässlich einer aktuellen
Veröffentlichung hin. Darin erläutern Experten, wie heute Todesfälle vermieden
werden - unter anderem durch den umsichtigen Einsatz des lebenswichtigen
Hormons.
Obwohl die Symptome - Extremdurst, häufiges Wasserlassen und
Gewichtsabnahme - eindeutig sind, wird jede fünfte Diabetes Typ 1 in
Deutschland erst entdeckt, wenn der Stoffwechsel entgleist ist.
Erbrechen, Bauchschmerzen und zunehmende Müdigkeit sind die
Warnzeichen. Auffällig ist auch ein Geruch des Atems nach faulen Äpfeln oder
Nagellack. Dann haben sogenannte Ketonkörper das Blut übersäuert und es besteht
akute Lebensgefahr. Ketoazidose nennen Diabetologen diesen Zustand, der früher
durch die rasche Gabe von Insulin in hoher Dosierung behandelt wurde. Oft zum Nachteil
der Patienten, wie sich Professor Dr. med. Johannes Hensen, Hannover, einer der
Autoren der Studie, erinnert. Denn die rasche Blutzuckersenkung kann eine
tödliche Entgleisung im Stoffwechsel auslösen, das Disäquilibriumsyndrom.
Heute geben Notärzte dem Bewusstlosen zunächst gar kein Insulin.
Erstmaßnahme ist ein Tropf mit Kochsalzlösung. Dies sei
sinnvoll, weil der hohe Blutzucker die Flüssigkeit aus dem Gewebe gesogen habe,
eine Folge des osmotischen Drucks, erläutert Professor Hensen. Diese
Gewebsaustrocknung ist die Ursache der Bewusstlosigkeit. Der Tropf verdünnt den
Blutzucker. Dadurch sinkt der osmotische Druck und auch die Nieren arbeiten
dann wieder normal. Allein diese Maßnahme rettet die Patienten nicht, die
sofort in eine Klinik eingewiesen werden.
Doch auch dort sind die Ärzte zurückhaltend mit Insulin.
Statt den Patienten eine hohe Dosis zu spritzen, wird das Insulin langsam über
eine Medikamentenpumpe gegeben. Zwölf Stunden kann es dauern, bis die
Ketoazidose behoben ist und weitere zwei Tage, bis die Patienten normale
Blutzuckerwerte haben. Durch diese Methode konnte die Sterberate auf unter ein
Prozent gesenkt werden, berichten die Experten.
Weitaus gefährliches ist das Diabetische Koma bei Menschen
mit Typ-2-Diabetes. Diese haben reichlich Insulin im Blut, das aber schlecht
wirkt - die sogenannte Insulinresistenz. Auslöser des Komas sind akute
Erkrankungen oder auch Medikamentenfehler. Der Blutzucker kann dann auf extrem
hohe Werte steigen. Ketoazidose und damit der typischen Atemgeruch fehlen
jedoch. Die Ärzte sprechen von einem hyperosmolaren Koma, das bei jedem vierten
bis fünften Patienten auch heute noch tödlich endet. Diese Gefahr lässt sich
abwenden, wenn ältere Diabetiker regelmäßig den Blutzucker bestimmen, betont
die DDG.
Quelle:
Thomas, T.; Köppen, S.; Hensen, J.: Coma diabeticum:
Aktuelle Therapie der diabetischen Ketoazidose und des nicht-ketoazidotischen
hyperosmolaren Komas. Diabetologie 2/2007, 2. Jg: 108-117
 
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