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Gemüt
Aussicht auf maßgeschneiderte Therapie gegen Depression
Wirkung von Lithium genetisch bedingt
Berlin [Charité] 14-12-2007
Warum sprechen manche Patienten besser auf Lithium an als
andere? Eine neue Studie der Charité - Universitätsmedizin Berlin zeigt, dass
eine bestimmte Genvariation den Erfolg der Lithiumtherapie begünstigt.
Die Studie*, die in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift
Biological Psychiatry erschienen ist, wurde mit 81 akut depressiven Patienten
durchgeführt, bei denen Antidepressiva nicht ausreichend wirken. In einem
Zeitraum von bis zu acht Wochen erhielten sie zusätzlich Lithium, das nicht als
Antidepressivum gilt, jedoch auch stimmungsausgleichend wirkt und vor allem bei
manisch-depressiver Störung eingesetzt wird. Zudem wurde bei diesen Patienten
das Gen, das für das Enzym Glycogen Synthase 3-beta (GSK3B) zuständig ist,
untersucht. Weist dieses eine Variation auf, sprechen die Studienteilnehmer
nach vier Wochen mit rund 56 Prozent signifikant besser auf die Lithiumtherapie
an als jene ohne diese Veränderung. Von ihnen reagierten im gleichen Zeitraum
nur 31 Prozent positiv auf das Lithium.
Das Gen GSK3B hatten die Forscher nicht zufällig im Blick:
Für seine Bedeutung für die psychische Gesundheit gibt es immer mehr Hinweise. Es
codiert das Enzym GSK3B, das von Lithium gehemmt wird. Dieser Mechanismus führt
dazu, dass vermehrt Proteine gebildet werden, die das Überleben und die
Entwicklung der Nervenzellen sichern. Auch unsere "innere Uhr", die
im Zusammenhang mit depressiven Erkrankungen steht, wird davon beeinflusst.
Lithiumsalze werden zur Milderung und Verhütung depressiver
und manisch-depressiver Episoden eingesetzt. In Deutschland leiden derzeit rund
vier Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen Depression. Bei etwa
zwei Dritteln der Patienten, die ein Antidepressivum erhalten, ist die Wirkung
nicht ausreichend gut. Die Lithiumzugabe ist hier eine gut etablierte Strategie,
die aus Angst vor Nebenwirkungen häufig aber nicht eingesetzt wird.
"Bei optimaler Dosis kann Lithium Patienten mit
Gemütserkrankungen sehr gut helfen. Außerdem ist es meist besser verträglich
als angenommen", erklärt Studienleiter Dr. Mazda Adli von der Klinik für
Psychiatrie und Psychotherapie am Campus Charité Mitte. "Ein Gentest
könnte in Zukunft vorhersagen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass das
Lithium dem Patienten hilft. So können wir zukünftig eine maßgeschneiderte
Therapie für jeden einzelnen Patienten entwickeln." Daher startet die
Charité unter Federführung von Dr. Adli gerade eine Folgestudie in
Zusammenarbeit mit der Universität Bonn und dem US- amerikanischen National
Institute of Mental Health, die die bisherigen Ergebnisse bestätigen und
weitere genetische Faktoren identifizieren soll.
* Adli et al: Response to Lithium Augmentation in Depression
is Associated with the Glycogen Synthase Kinase 3-Beta -50T/C Single Nucleotide
Polymorphism.
 
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