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Studie: Ampelkennzeichnung bei manchen Lebensmitteln verständlicher als andere Modelle
Kennzeichnung schlägt sich nicht im Verhalten nieder
Bonn [aid - Gesa Maschkowski] 26-09-2008

Der Herbst leuchtet dieses Jahr in Ampelfarben. Der
Verbraucherzentrale Bundesverband hat mit Eltern, Ärzten und AOK eine Allianz
pro Ampelkennzeichnung gebildet. Foodwatch befragte Verbraucher am Telefon zu
diesem Modell und auch die Verbraucherschutzminister wünschten sich während
ihrer Konferenz am 18. und 19. September, dass die wichtigsten Nährwertangaben
auf der Packung künftig mit Ampelfarben hinterlegt werden. Ob sich die
Deutschen besser orientieren können, wenn mehrere tausend Lebensmittel in einem
Supermarkt vier bis fünf verschiedenfarbige Ampelpunkte tragen, stand
allerdings bislang noch in den Sternen.
Etwas mehr Licht in dieses Dunkel bringt nun hoffentlich
eine Studie der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, die kurz vor
der Veröffentlichung steht. Joachim Westenhöfer, Professor für Ernährungs- und
Gesundheitspsychologie, ging der Frage nach, welches Kennzeichnungsmodell
Verbrauchern am besten bei der Lebensmittelauswahl hilft. Er versah Produkte
mit vier unterschiedlichen Kennzeichnungsvarianten, darunter auch die
GDA-Kennzeichnung (Guideline Daily Amount), die darüber informiert, welche
Nährstoffe prozentual zum Tagesbedarf in einer Portion enthalten sind sowie die
Ampelkennzeichnung, wie sie in Großbritannien praktiziert wird.
Zuerst die gute Nachricht für alle Ampelfreunde: Bei manchen
Lebensmitteln, zum Beispiel Jogurtprodukten, konnten die Studienteilnehmer den
Nährwert mit Hilfe der Ampelkennzeichnung besser einschätzen. Bei vielen
Lebensmitteln hatte die Kennzeichnung allerdings keinen Einfluss. Dann die gute
Nachricht für die Gegner der Ampelkennzeichnung und alle Freunde keiner
Kennzeichnung: Sollten sich die Studienteilnehmer einen Tagesplan mit den
unterschiedlich gekennzeichneten Produkten zusammenstellen, dann war es
unerheblich, wie die Produkte gekennzeichnet waren. Unterm Strich war der
Nährstoffgehalt der Tagespläne vergleichbar.
Schließlich ein Hinweis für die Vertreter des GDA-Modells:
Dieses Modell führte nur selten zu einer besseren Einschätzung der Lebensmittel
als gar keine Kennzeichnung. Das ist allerdings nichts Neues; ähnliche
Ergebnisse erbrachte schon eine Studie von 1996. "Was die Verständlichkeit
angeht, gibt es Unterschiede, da scheint die Ampelkennzeichnung bei manchen
Lebensmitteln vorteilhaft zu sein", kommentiert Westenhöfer seine
Ergebnisse. "Verständlichkeit schlägt sich allerdings nicht automatisch in
Verhalten nieder." Westenhöfer plädiert dafür, die Kennzeichnung, bevor
sie eingeführt wird, auf ihre Wirksamkeit zu untersuchen.
Damit macht Westenhöfer ein Fass auf. Die wissenschaftliche
Studienlage war bislang beeindruckend dürftig. Einmal abgesehen von Meinungsumfragen,
die in dieser Sache nur begrenzten Nährwert haben, weil Kopf und Bauch
bekanntlich unterschiedlich entscheiden.
Lesen Sie dazu auch den Artikel "Die Grenzen der
Ampelkennzeichnung - Heiße Diskussion auf dünnem wissenschaftlichen Eis" www.aid.de.
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