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Keine Dopingtricks im Stall: Neuer Test gegen Anabolikamissbrauch in der Rindermast
Weihenstephan [TU / WZW] 01-08-2008

Der Einsatz von Anabolika in der Tiermast ist in Europa
verboten - jedoch ökonomisch sehr verlockend. Den Preis des Missbrauchs zahlen
die Verbraucher: Anabolikarückstände im Fleisch können gefährliche
Nebenwirkungen hervorrufen, vom Herzrasen über Muskelzittern und Fieber bis hin
zum Erbrechen. Forscher des Wissenschaftszentrums Weihenstephan (WZW) der TU
München haben nun den Weg zu einem neuen Kontrollverfahren gefunden, das sich
nicht überlisten lässt.
Wenn jungen Rindern zusätzlich zum Futter Hormone wie
Testosteron oder Östrogen gespritzt werden, wachsen sie nicht nur schneller.
Sie entwickeln auch mehr wertvolles Magerfleisch. Obwohl in Europa der Handel
mit anabolen Substanzen und deren Einsatz in der Tiermast illegal ist, sind die
Wirkstoffe leicht zu beschaffen. Somit ist die Missbrauchsgefahr stets gegeben.
Entsprechend streng sind in der EU die Kontrollen, um die Fleischqualität zu
überwachen. Doch herkömmliche Tests sind nicht unfehlbar: Denn sie suchen nach
einzelnen, bekannten Wirkstoffen - und übersehen Substanzen, die neu am
Schwarzmarkt sind.
Der Physiologieprofessor Heinrich H.D. Meyer und sein Team
sind nun einen wichtigen Schritt weiter im Kampf gegen den Anabolikamissbrauch
in der Tiermast. Die TU-Forscher haben in einer Pilotstudie ein Verfahren
entwickelt, das nicht mehr nach einzelnen Substanzen im Fleisch sucht - und
somit viel genauer ist als das bisherige Vorgehen. Der neue Test funktioniert
indirekt: Statt nach den Anabolika selbst sucht er nach den Effekten, die sie
auf genetischer Ebene verursachen.
Dazu muss man wissen: Die wichtigsten Vertreter der
Anabolika gehören zur Gruppe der Sexualhormone. Im Stoffwechsel von Mensch und
Tier lässt sich der Einfluss dieser Hormone an vielen Stellen beobachten. Zum
Beispiel an der Aktivität der Eierstöcke, an der Spermienqualität oder am
Muskelwachstum. All diese Vorgänge werden von bestimmten Genen gesteuert. Ihre
Aktivität können die Forscher messen: Ist ein Gen "angeschaltet",
findet sich in der Zelle die dazugehörige Boten-RNA, die sogenannte mRNA mit
der Abschrift der Erbinformation. Wie viel dieser mRNA vorhanden ist, wird
durch das molekularbiologische Verfahren der reversen
Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion, kurz RT-PCR, bestimmt. Die Menge an
Boten-RNA eines bestimmten Gens kann dann als Indikator für einen Doping-Test
genutzt werden.
Die Wissenschaftler haben in ihrer Untersuchung mit Rindern
gezeigt, dass sich auf diesem Weg die Wirkung von Anabolika im Tierkörper
nachweisen lässt. Nun sind sie dabei, die Methode für die verschiedenen
Anabolika-Arten auszuarbeiten. Wenn das neue Testverfahren reif für den Einsatz
ist, wird es eine wirkungsvolle Waffe gegen den Missbrauch von Anabolika in der
Tiermast sein. "Denn die Gene kann keiner überlisten", sagt Meyer.
"Seit 20 Jahren gab es keinen Anabolikamissbrauch in Deutschland. Das neue
Verfahren trägt dazu bei, dass das so bleibt." Aber nicht nur im Stall
ließe sich der neue Test einsetzen: Auch im Sport könnte die Methode
erfolgreich sein.
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