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Auswirkungen der Prozessführung und der Milieubedingungen auf qualitative Parameter hochdruckbehandelter frischer Bratwurst
42. Kulmbacher Woche - Kurzfassung Vortrag
Kulmbach [FISCHER, S.] 03-05-2007

Die Hochdruckbehandlung (HDB) bietet interessante
Möglichkeiten zur schonenden Haltbarmachung von Fleischerzeugnissen.
Rohpökelwaren – z. B. aufgeschnittener Schinken – sind bereits als
hochdruckbehandelte Produkte erhältlich. Sensiblere Fleischerzeugnisse wie
„frische Bratwurst“ sind dagegen nur kurze Zeit haltbar (1 – 2 Tage) oder werden
als SB-Produkte in gebrühtem Zustand vertrieben. Dies hat Einfluss auf den
typischen frischen Charakter, der sensorisch als Qualitätseinbuße bewertet
wird. Da die HDB nur geringen thermischen Einfluss hat, ist sie als Alternative
zum Brühen sehr vielversprechend. Allerdings ist es nicht möglich, bestehende
Rezepturen für die HDB einzusetzen. Die unterschiedlichen Effekte bedürfen
einer Optimierung in Zusammensetzung, Vorbehandlung und einer exakten
Definition der zu verwendenden Ausgangsqualitäten und Behandlungsparameter.
Die HDB wurde im Intervallverfahren durchgeführt, da in
Vorversuchen mit dieser Behandlungsmethode die besten mikrobiologischen
Resultate erzielt wurden. Die Lagerung der Proben erfolgte bei 7°C für bis zu
28 Tage. Die Variation der Behandlungs- bzw. Herstellungsparameter erfolgte
spezifisch angepasst an die verschiedenen Untersuchungen, bei denen
signifikante Veränderungen zu erwarten waren. Variiert wurden die
Ausgangstemperatur der HDB, die Schutzgaszusammensetzung, die Vorbehandlung
(Evakuierung) und die Zerkleinerungstechnologie. Als Behandlungsdruck wurde aus
Vorversuchen 600 MPa gewählt. In Abhängigkeit von diesen Parametern wurden
mikrobiologische Untersuchungen sowie Bestimmungen von Farbe, Festigkeit,
Homogenität und eine sensorische Bewertung durchgeführt.
Die mikrobiologischen Untersuchungen wurden an beimpften und
unbeimpften Bratwürsten durchgeführt. Hierbei wurden durch die Variation von
Behandlungstemperatur, -druck und der Schutzgasatmosphäre Unterschiede
erwartet. Wird die HDB mit vakuumierten Proben durchgeführt, hat die Temperatur
einen signifikanten Einfluss. Bei 20°C Starttemperatur ist eine um ca. 2
Zehnerpotenzen bessere Inaktivierung im Vergleich zu bei 0°C behandelten
Proben zu erreichen. Allerdings sind die farblichen Einbußen bei 20°C sehr
stark ausgeprägt. Wird CO2 als Schutzgas verwendet, ist der Einfluss der
Temperatur zu vernachlässigen. Zusätzlich konnte bei beimpften Proben
festgestellt werden, dass das Vorhandensein von CO2 über die Lagerdauer zu nahezu
konstant niedrigen Gesamtkeimzahlen von ca. 103 Keimen/g führt. Es wird
deutlich, dass Aussagen über die mikrobiologische Stabilität von
hochdruckbehandelten Produkten nur bei genau definierten Rahmenbedingungen
getroffen werden können.
Ebenso ist die Farbe des Bratwurstbräts stark von den
Behandlungsparametern abhängig. Wie bereits erwähnt, führen höhere Temperaturen
zu einer stärkeren Absenkung des a-Wertes, aber auch die Verwendung
verschiedener Schutzgase hat einen deutlichen Einfluss. Bei vakuumierten Proben
ist eine Behandlungstemperatur von 0°C am vorteilhaftesten. Bei Verwendung von
CO2 oder Argon werden dieselben Resultate erreicht. Ist allerdings N2 zumindest
anteilig in der Mischung enthalten, wird der a-Wert geringer abgesenkt, die
Farbqualität bleibt besser erhalten.
Auf die Festigkeit hat vor allem die Vorevakuierung des
Bräts vor dem Abfüllen Einfluss. Mittels computertomographischen Aufnahmen
konnte gezeigt werden, dass bei mangelhafter Entlüftung sich die
eingeschlossenen Gase, die sich während der HDB verflüssigen, zusammenschließen
und nach der Entspannung große Hohlstellen bilden. Durch dieses Verhalten lässt
sich das gesamte Brät, das durch die einsetzende Denaturierung tendenziell
fester wird, besser verschieben und wird wieder weicher. Dies wirkt sich vor
allem auf die Festigkeit der gebratenen Bratwürste aus, die im Vergleich zur
Kontrollprobe deutlich weicher erscheinen. Ist das Brät gut evakuiert, zeigen
sich Einflüsse der Schutzgaszusammensetzung. Das Vorhandensein von CO2 bewirkt
eine weniger starke Verfestigung. Das Brät bleibt näher an der Qualität der
Kontrollprobe.
Um die Qualität der hochdruckbehandelten Bratwürste
beurteilen zu können wurden sensorische Bewertungen durchgeführt. Bei jeder HDB
ist ein Verflachen des Gewürzprofils festzustellen, was eine verstärkte
Salzintensität bedeutet. Bei Anwesenheit von N2 ist ab 800 MPa eine süßliche
Komponente zu bemerken. Argon bewirkt einen fettigen Geschmack. Werden zur
Herstellung der Bratwürste unterschiedliche Kutter verwendet, so hat eine
schlechtere Bindung des Bräts deutliche Auswirkungen auf den Geschmack. Zum
Beispiel konnte hierbei ein pelziges Mundgefühl festgestellt werden.
Die Gesamtheit dieser Untersuchungen macht deutlich, dass
für die Produktion von sicheren, hochwertigen „frischen Bratwürsten“ mittels
HDB viele Parameter von Bedeutung sind. Bereits im Vorfeld müssen Vorgaben und
Ziele definiert sein, denn die vorhandene Technologie, die Qualität der
Ausgangsmaterialien oder die Würzung können Einflüsse auf die HDB haben. Es ist
offensichtlich, dass umfassende Untersuchungen notwendig sind, um die einzelnen
grundlegenden Mechanismen, die die HDB bei unterschiedlichen Rahmenbedingungen
bewirkt, zu erforschen.
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