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Branchenexperten stellten auf Fresenius-Tagung „Frische und Haltbarkeit“ in Mainz innovative Technologien vor
Hightech in der Lebensmittelverarbeitung: Steigende Ansprüche wecken Erfindergeist
Dortmund / Mainz [Fresenius] 05-11-2007

Schneller, höher, weiter: Gäbe es ein olympisches Motto für
Lebensmittel, hieße es wohl „frischer, gesünder, länger haltbar“. Der Anspruch
der Konsumenten ist in den vergangenen Jahrzehnten enorm gestiegen: Sie wollen
Produkte, die ohne großen Aufwand zuzubereiten sind, die der Gesundheit dienen
und die lange genießbar bleiben, ohne an Qualität einzubüßen. Frisch auf den
Tisch soll das Essen kommen – auch nach mehrwöchigem Kühlschrankaufenthalt und
möglichst ohne Konservierungsstoffe. Die Lebensmittelindustrie entwickelt immer
wieder neue Technologien, um die vielen Verbraucherwünsche, die sich teilweise
zu widersprechen scheinen, unter einen Hut zu bringen. Die FoodTech-Tagung „Frische
& Haltbarkeit“ der Akademie Fresenius bot am 23. und 24. Oktober 2007 in
Mainz einen Überblick über innovative technologische Anwendungen. 16
Branchenexperten erörterten die Frage, wie Produktqualität mit langer
Haltbarkeit vereinbart werden kann.
Mit dem Wort „frisch“ werden viele positive Eigenschaften
verbunden, weshalb dieses Attribut in der Lebensmittelindustrie nahezu
inflationär gebraucht wird. Frische kann sich auf einen Zustand wie rein,
sauber oder roh beziehen; Frische kann auch eine zeitliche Komponente haben,
etwa in den Ausdrücken frisch geerntet, frisch geschlachtet oder frisch
zubereitet. Selbst Kaugummi kann aufgrund seines Aromas „frisch“ wirken.
„Sinnvollerweise sollte sich die Auslobung von Frische in jeder Hinsicht auf
Lebensmittel beschränken, die einen möglichst geringen Verarbeitungsgrad
haben“, forderte Prof. Dr. Emmerich Berghofer von der Wiener Universität für
Bodenkultur auf der Fresenius-Tagung. Außerdem sollten bei diesen als
„minimally processed food“ bezeichneten Lebensmitteln möglichst wenige und
schonende Haltbarkeitsmaßnahmen getroffen werden, so Berghofer.
Frisch, aber bitte bequem: Convenience-Produkte sind gefragt
Bei der haushaltsüblichen Zubereitung von Rohkost sind
eigentlich nur die einfachen Schritte Sortieren, Putzen, Waschen und Schneiden
erforderlich, doch vielen Konsumenten ist selbst das zu aufwändig. Prof. Dr.
Reinhold Carle (Universität Hohenheim) führte dafür gesellschaftliche Gründe
an: „Heute sind oft beide Elternteile berufstätig, Single-Haushalte nehmen zu.
Vor dem Hintergrund wachsender beruflicher und privater Mobilität werden
Convenience-Produkte besonders attraktiv.“ Folienverpackte Rohkostprodukte, in
den 1970-er Jahren erstmals eingeführt, haben daher heute noch eine jährliche
Wachstumsrate von 20 Prozent, berichtete Carle. Bei diesen Produkten wird die
Herausforderung für die Lebensmittelproduzenten besonders deutlich. Carle: „Da
keimreduzierende thermische Maßnahmen entfallen, sind folienverpackte
Rohkosterzeugnisse selbst bei strikter Einhaltung der Kühlkette besonders
leicht verderblich. Andererseits wird vom Handel eine möglichst lange
Mindesthaltbarkeit gefordert.“ Über verbesserte Waschprozesse mit chlorhaltigem
Wasser könne die Keimbelastung verringert werden, ohne die Sensorik und die
Vitalität des Produkts negativ zu beeinflussen. Die Verpackung in einer
modifizierten Atmosphäre verlängere außerdem die Haltbarkeit, so Carle.
Qualität durch UV-C-Entkeimung der Luft
Mikroorganismen wie Bakterien, Schimmelpilze und Hefen sind
maßgeblich für den mikrobiologischen Verderb von Lebensmitteln verantwortlich.
Die Luft wird von den Mikroorganismen als Transportmedium genutzt. „Das Medium
Luft ist ein wichtiger Baustein in der Hygienekette und muss daher kontrolliert
werden“, betonte Martin Ferres (BÄRO GmbH & Co. KG) auf der
Fresenius-Tagung. Für die Entkeimung ist die UV-C-Bestrahlung bei einer
Wellenlänge von 253,7 nm besonders effektiv. Diese wirkt direkt auf die
Erbsubstanz der Keime, wodurch diese abgetötet werden. „Da jeder
Mikroorganismus eine unterschiedliche UV-C-Dosis für eine bestimmte
Abtötungsrate benötigt, ist es wichtig, Leitkeime zur Auslegung der
Entkeimungsanlage zu bestimmen. Die meisten Bakterien sind relativ einfach
abzutöten, während Schimmelpilze deutlich höhere Dosen benötigen“, erläuterte
Ferres. Die Keimreduzierung ist durch Luftbestrahlung und
Oberflächenbestrahlung möglich – das Verfahren ist laut Ferres in der gesamten
Lebensmittelindustrie in besonders hygienisch-kritischen Prozessschritten
anwendbar.
Behandlung der Lebensmittel mit ionisierenden Strahlen
Das Wort „Bestrahlung“ hat immer noch bei vielen
Verbrauchern eine abschreckende Wirkung. In vielen Fällen zu Unrecht, wie Dr.
Mario Stahl von der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel
(BfEL) in seinem Vortrag über ionisierende Strahlen zur Behandlung von
Lebensmitteln darstellte. Die Sorge, dass ionisierte Lebensmittel radioaktiv
werden könnten, ist unbegründet: „Die Strahlungsenergie reicht zwar aus, um
Elektronen aus den Elektronenhüllen der Atome und Moleküle herauszustoßen, aber
sie reicht nicht aus, um in Wechselwirkung mit dem Atomkern zu treten“,
erklärte Stahl. Weltweit ist diese Methode in mehr als 60 Ländern für
unterschiedliche Lebensmittel zugelassen, Tendenz steigend. Jenseits des
Atlantiks ist die Akzeptanz größer. Stahl: „Jährlich werden in Tausenden von
Tonnen tropischer Früchte Insekten durch Bestrahlung eliminiert. Studien haben
gezeigt, dass die Verbraucher in den USA zunehmend die Bestrahlungstechnologie
verstehen und annehmen.“ Keimreduktion und Keimungshemmung zählen ebenso zu den
Vorteilen der ionisierenden Strahlen wie die Tatsache, dass weder die
Temperatur der behandelten Lebensmittel erhöht wird, noch Chemikalien zum
Einsatz kommen. Die Nachteile für die Lebensmittelindustrie liegen neben der
Verbraucherskepsis bei der Kennzeichnungs- und Zulassungspflicht sowie bei der
Reduktion des Vitamingehalts und beim fehlenden Schutz vor Rekontamination.
Außerdem könnten hohe Strahlungsdosen den Geschmack fettreicher Lebensmittel
verändern, so Stahl.
Hochdruck sorgt für Haltbarkeit
Eine weitere Methode, Lebensmittel wirksam haltbar zu
machen, ist die Hochdruckbehandlung (High Presssure Processing = HPP). Für
diese Konservierungsmethode eignen sich feste, pastöse und flüssige
Lebensmittel, wie Konfitüren, Schinken, Fruchtsäfte, und Meeresfrüchte. Die
Produkte müssen flexibel verpackt sein, beispielsweise in Folien oder
Kunststoffbehälter. „In einem Hochdruckautoklaven werden die Lebensmittel für
wenige Minuten einem Druck von etwa 6000 Bar ausgesetzt. Als Druckmedium wird
meist Wasser eingesetzt, das den Druck isostatisch überträgt. Der Druck wirkt
also gleichmäßig von allen Seiten auf das Produkt und gewährleistet dadurch
eine homogene Behandlung“, erläuterte Dr. Peter Nünnerich (Uhde High Pressure
Technologies GmbH) auf der Fresenius FoodTech-Tagung. Das Produkt werde durch
die diese Art der Druckbehandlung nicht bleibend verformt. „Im Vergleich zu
konventionellen Verfahren bietet die Hochdruckbehandlung den großen Vorteil,
die Produkte weniger zu verändern und ist somit ein sehr schonender
Konservierungsprozess“, so Nünnerich.
Die Tagungsunterlagen mit den Skripten aller Vorträge der
Fresenius Fachtagung können zum Preis von 250,- EUR zzgl. MwSt. bei der
Akademie Fresenius bezogen werden.
Kontakt:
Die Akademie Fresenius GmbH
Monika Stratmann
Alter Hellweg 46
44379 Dortmund
Tel.: +49
231 75896-48,
Fax: +49 231 75896-53
eMail: mstratmann@akademie-fresenius.de
www.akademie-fresenius.de
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