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Wirkung der Gasatmosphäre in einer Schutzgasverpackung auf Rindfleisch: Zartheit, Farbstabilität und Farbe im Kern nach dem Erhitzen
Kulmbach [TROEGER] 24-10-2008

Quelle: Journal of Animal Science 86 (2008), 1191-1199.
Die Fleischfarbe ist das Hauptkriterium, aufgrund dessen der
Verbraucher über den Kauf eines Stückes Fleisch entscheidet. Es wird eine
frische rote bis hellrote Farbe erwartet. Bräunlich-graue oder dunklere
Farbtöne, auch partiell, werden mit „alt“ oder gar „verdorben“ assoziiert und
abgelehnt. Dieses Käuferverhalten hat mit dazu geführt, dass Rindfleisch häufig
zu frisch, ungereift in den Handel kommt. Um die frische Farbe möglichst lange
aufrechtzuerhalten wird seitens der Fleischindustrie zunehmend auf MAP
(modified atmosphere packaging) gesetzt, d. h. das Fleisch wird in SB-Packungen
unter Schutzgas angeboten. Dieses Schutzgas besteht i. d. R. aus 70-80 %
Sauerstoff und 30-20 % Kohlendioxid. Nachdem diese Art der Frischfleischverpackung in den letzten
Jahren rasant zugenommen und sich seit einiger Zeit auch im Bereich
Frischgeflügel etabliert hat, mehren sich nun weltweit die kritischen Stimmen.
Neben einer Verschlechterung der sensorischen Fleischqualität soll es auch ein
gesundheitliches Risiko durch die prooxidative Wirkung des Sauerstoffs geben.
Auch J. P. GROBBEL, M. E. DIKEMAN, M. C. HUNT und G. A.
MILLIKEN untersuchten in ihrer Arbeit Effects of packaging atmospheres on beef
instrumental tenderness, fresh color stability, and internal cooked color
mögliche negative Auswirkungen der High O2-MAP, prüften aber gleichzeitig
alternative Gasmischungen ohne Sauerstoffzusatz. Ziel der Arbeit war es, die
Auswirkungen verschiedener Schutzgase auf die Farbstabilität von frischem
Rindfleisch, die Farbe nach Erhitzung sowie die Zartheit zu untersuchen. Dazu
wurden aus 14 Roastbeef-Paaren (M. longissimus lumborum) von A-klassifizierten
Schlachtkörpern Steaks mit einer Dicke von 2,54 cm geschnitten und 7 Tage p. m.
entweder für die initialen Warner-Bratzler-Scherkraftmessungen verwendet oder
einer der folgenden 6 Verpackungsmethoden unterzogen:
- Vakuumverpackung;
- ultra-low-Sauerstoff-MAP mit Kohlenmonoxid (64,6 % N2, 35
% CO2, 0,4 % CO);
- high-Sauerstoff-MAP (80 % O2, 20 % CO2);
- 99,6 % Kohlendioxid + 0,4 % Kohlenmonoxid;
- 99,6 % Stickstoff + 0,4 % Kohlenmonoxid;
- 99,6 % Argon + 0,4 % Kohlenmonoxid.
Durch Zusatz von CO sollte die rote Fleischfarbe
stabilisiert werden.
Für die Schutzgaspackungen wurden 4,32 cm tiefe
Plastik-Trays benutzt und mit einer weitgehend sauerstoffdichten Folie
versiegelt. Die Packungen wurden bei 2 °C gelagert und 14 Tage sowie 18 Tage
(high-O2-MAP) bzw. 28 Tage p. m. (Verpackungen ohne O2) Warner-Bratzler
Scherkraftmessungen durchgeführt. Zuvor wurden die Proben auf eine Kerntemperatur
von 70 °C erhitzt. Die Fleischfarbe wurde von einem Panel aus 10 trainierten Sensorikern
bewertet sowie instrumentell mit einem HunterLab-Spektrophotometer (L*-, a*-, b*-Werte)
gemessen. Die Steaks in den 4 Schutzgasverpackungen ohne Sauerstoff, jedoch mit
CO zeigten während der Lagerung keine Änderung des Rotanteils (a*-Wert).
Dieselben Proben sowie die Vakuum verpackten Steaks wiesen
nur eine sehr geringe oder keine Oberflächenentfärbung auf. Die Steaks in den
high-O2-Verpackungen verblassten schneller und um 56 % stärker als das Fleisch
in allen anderen Verpackungen. Bezüglich der Scherkraftwerte wurden 14 Tage p.
m. keine Unterschiede zwischen den unterschiedlich verpackten Proben
festgestellt. Am Ende der Lagerzeit waren die Steaks aus den high-O2-Verpackungen
weniger zart als das Fleisch aus den übrigen Verpackungen. Die Lagerzeit der
Steaks unter high-O2-MAP war allerdings auch 10 Tage kürzer. Die in 80 % Sauerstoffatmosphäre
gelagerten Steaks hatten von allen Verpackungsarten die niedrigsten a*-Werte im
Kern des gegarten Fleisches. Die höchsten a*-Werte der Muskelinnenfarbe nach
Erhitzung wurden bei Steaks aus Schutzgasverpackungen ohne Sauerstoff mit
Argon, Stickstoff sowie Stickstoff/CO2, jeweils mit 0,4 % CO, gemessen. In den
ultra-low-Sauerstoff-Verpackungen war die Farbe des frischen Fleisches länger
stabil als in den high-O2-MAPsbei gleicher oder besserer Zartheit. Auch die
Farbe des gegarten Fleisches wird durch die verwendete Schutzgasatmosphäre
beeinflusst, wobei Steaks aus high-O2-MAPs eine frühzeitige Bräunung zeigten.
Die Ergebnisse sprechen somit aus qualitativer Sicht deutlich gegen eine
Verwendung von Schutzgasatmosphären mit hohem Sauerstoffanteil.
Aus dem Mitteilungsblatt der Fleischforschung Kulmbach(2008)
47, Nr. 181 – Praxis-Informationen Seite 221 - Wir danken für die Genehmigung.
Das Mitteilungsblatt wird von der Förderergesellschaft für
Fleischforschung in Kulmbach herausgegeben und kostenlos an die 740 Mitglieder
versand. Die Fördergesellschaft setzt ansehnliche Mittel ein, die für die Forschungsarbeit
der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel (BfEL), Standort
Kulmbach genutzt werden.
Mehr unter www.fgbaff.de
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