Im Rahmen des 15.
Heidelberger Ernährungsforums am 28./29.9.2011 stellte die Dr. Rainer Wild
Stiftung, Stiftung für gesunde Ernährung erste Ergebnisse einer repräsentativen
Studie zur Geschmacksforschung vor. Die Heidelberger Wissenschaftler gingen
dabei der Frage nach, ob Menschen Dinge essen, die ihnen nicht schmecken. Die
Ergebnisse zeigen, dass 81 % der Befragten Lebensmittel und Speisen zu sich
nehmen, die nicht ihren persönlichen Geschmacksvorlieben entsprechen. Weiterhin
wird deutlich, dass der Geschmack nur eines von vielen Kriterien für die
Auswahl von Lebensmitteln ist.
Täglich müssen sich
Verbraucher entscheiden, was sie essen – zu Hause, in der Schule, an der
Arbeitsstelle oder unterwegs. Fragt man sie, warum sie sich für ein bestimmtes
Lebensmittel oder eine Speise entschieden haben, so wird häufig der Geschmack
als wichtigstes Kriterium genannt. Die Annahme liegt nahe, dass diese Menschen
nur das essen, was ihnen schmeckt.
Die beiden
wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen der Dr. Rainer Wild- Stiftung, Dr. Lisa
Hahn und Karolin Höhl, zeigten jedoch anhand der Ergebnisse einer
repräsentativen Studie, dass 81 % der Befragten Lebensmittel und Speisen essen,
die nicht ihrem persönlichen Geschmack entsprechen. 38 % gaben dabei an, dass
sie das Lebensmittel oder die Speise generell nicht mochten. Für 28 % war die
Zubereitung nicht zufriedenstellend und für 19 % war das Essen nicht nach ihrem
Geschmack gewürzt. Lebensmittel und Speisen, die den Befragten nicht
schmeckten, wurden zumeist außer Haus, u. a. in Restaurants, Kantinen oder
Imbissen verzehrt (45 %) und überwiegend von gewerblichen Herstellern oder
professionellen Köchen zubereitet (57 %). Besonders überraschend war für die
Ernährungswissenschaftlerinnen, „dass 73 % der Deutschen weiter essen, auch
wenn es ihnen nicht schmeckt. 40 % der Befragten essen sogar (fast) die gesamte
Mahlzeit auf.“
Die Befragung hat
gezeigt, dass viele Menschen durchaus auch Dinge essen, die ihnen nicht
schmecken. „Der gute Geschmack mag zwar wichtig sein“, so Dr. Gesa Schönberger,
Geschäftsführerin der Stiftung für gesunde Ernährung, „er ist jedoch oft nicht
unbedingt ausschlaggebend. Warum wir Dinge essen, die uns nicht schmecken, wird
eine der interessanten Fragen sein, die wir im Fortgang der Studie stellen
werden. Wir wollen damit die tatsächliche Relevanz von Geschmack aufdecken und
so unserem Essen im Alltag näher kommen.“
Die Besonderheit der
Studie liegt auch in ihrer Herangehensweise: Zwar existieren bereits einige
Modelle, die sich dem Auswahl- und Ernährungsverhalten nähern. Diese nehmen
aber häufig eine einseitige Perspektive zugunsten verhaltenswissenschaftlicher
oder sensorisch- orientierter Forschung ein. Auch die Frage nach
„Geschmackskompromissen“ wird oftmals vernachlässigt. Das neue
Forschungsprojekt „Geschmackskompromisse statt Geschmackspräferenzen“ der Dr.
Rainer Wild- Stiftung setzt genau an diesen Punkten an und will mit seinen
Erkenntnissen eine Lücke in der verhaltenswissenschaftlichen und sensorischen
Forschung schließen.
Die Studie wurde in
Kooperation mit dem LINK Institut für Markt- und Sozialforschung,
Frankfurt/Main durchgeführt. Im Rahmen einer repräsentativen Telefonbefragung
wurden 1.000 Personen in der Bundesrepublik Deutschland zu ihrem
Auswahlverhalten im Bereich Ernährung befragt (Erhebungszeitraum: September
2011).
Dr. Rainer Wild-Stiftung
Die Dr. Rainer
Wild-Stiftung, Stiftung für gesunde Ernährung versteht sich als
Kompetenzzentrum für gesunde Ernährung und Ansprechpartner für Fachleute,
Wissenschaftler und Multiplikatoren. Auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse
will sie ein tieferes Verständnis für die existenzielle Bedeutung gesunder
Ernährung schaffen und setzt sich aktiv für einen zeitgemäßen und
verantwortungsbewussten Umgang mit Ernährung ein. Mit einer umfassenden
Herangehensweise beleuchtet sie das Thema Ernährung aus verschiedenen
Blickwinkeln. Im Mittelpunkt ihrer Projekte, Publikationen und Veranstaltungen
stehen Ernährungsbildung, Verbraucherverhalten, Esskultur und
Geschmacksforschung. Die gemeinnützige und operativ tätige Stiftung wurde 1991
von dem Unternehmer und Wissenschaftler Prof. Dr. Rainer Wild gründet. |